FÜHRUNG Auf Einladung der Spezialisten der Salinenstraße Besuch der Villa am Valentinstag

An Valentinstag müssen es ja nicht immer Blumen, Herzen, Schmuckstücke oder Parfüms sein, die dem oder der Liebsten überreicht werden. Gemeinsam Zeit verbringen, das liegt auch im Trend, aufgegriffen schon vor zwei Jahren von den Geschäftsleuten der „Lebendigen Salinenstraße – Straße der Spezialisten.“ Und bei den Ausflügen in die Römerhalle gab es neben einem gemeinsamen Erlebnis auch noch viel Interessantes von Dr. Michael Vesper, Geschäftsführer der Tourismus und Gesundheit für Bad Kreuznach (Gut), zu erfahren. Im Zentrum der Führung standen der ehemalige Speise- und Empfangsraum der römischen Villa, die einst mehr als 5 000 Quadratmeter Fläche an der Hüffelsheimer Straße bedeckte.

Einblick in Alltagsleben

Die Valentinsfahrt-Teilnehmer, die sich alle „wie frisch Verliebte“ fühlten, wie Ursula Lippert aus Schöneberg feststellte, befanden sich also in einem von einst rund einhundert Räumen. Allein im Erdgeschoss lagen im dritten Jahrhundert nach Christus mehr als 50 Räume mit prachtvoller Innenausstattung, Marmorarbeiten, Stuck und Wandmalereien.

Vesper gab den Gästen einen Einblick in das damalige Alltagsleben der betuchteren Bevölkerung, die im Speisensaal rund um das Gladiatorenmosaik auf Knien rekelnd ihr Mahl ausgiebig genossen und dabei soziale Kontakte knüpften. „Die Männer. Die Frauen knieten bescheiden auf Kissen bei diesen Essen, die Sklaven waren für die Fußbodenheizung zuständig“, schilderte Vesper. Da die Römervilla im Februar grundsätzlich geschlossen ist und nur für die Aktion der Salinenstraße geöffnet worden war, bekam man schnell einen Eindruck davon, wie kalt es einst in den hohen Räumen mit Steinboden gewesen sein muss.

Gäste wurden in die Römervilla vor Jahrhunderten zahlreich eingeladen, denn die Zentrale von Obergermanien lag einst in Mainz und von dort reiste man gerne nach Crucenia, um zu speisen. Der Reichtum rührte von der Getreidewirtschaft her, meist waren die römischen Villen Agrarbetriebe. In Bad Kreuznach geben Fundstücke dafür jedoch kaum Beweise, betonte Vesper. Vielleicht hat der Besitzer Tierhandel betrieben, könnte man mutmaßen, beschäftigt man sich näher mit dem zweiten Mosaik, dem einmaligen Oceanusmosaik im ehemaligen zentralen Repräsentationsraum der Villa. Aufgrund der damaligen Konsule Maximus und Urbanos kann man die Entstehung des Mosaiks auf das Jahr 234 nach Christus datieren. „Solche Mosaike sind heute unbezahlbar“, unterstrich Vesper. Denn die Tausende Steinchen wurde nicht eingefärbt, um spezielle Farbeffekte zu erzielen, sie stammten aus unterschiedlichen römischen Steinbrüchen, um authentische Farbeindrücke zu erzeugen. Verarbeitet auf Platten wurden sie dann in Großwerkstätten, die nächste Werkstatt war in Trier gelegen. Die fertigen Tafeln wurden dann nach Bad Kreuznach transportiert.

Ausmaße der Palastvilla

Rund 30 Jahre später fiel die Villa einem Brand zum Opfer. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurde sie wiederbesiedelt, allerdings nur im festungsartigen Nordtrakt. Das Ende der antiken Nutzung geht mit der Zeit der Kastellerrichtung um 370 nach Christus einher. Einen Eindruck davon, wie die Ausmaße der Palastvilla einst waren, zeigte Vesper anhand eines Modelles auf. Die Präsentation der Ausstellung Villa wird derzeit neu konzipiert und präsentiert. Aktuell geht es um das neue Beleuchtungskonzept.

Nun viel wäre über Exponate der römischen Vergangenheit von Stadt und Kreis zu berichten gewesen, doch dann hieß es für Dorothea Wonsyld, die stellvertretend für die Spezialisten der Salinenstraße die Gäste begleitet hatte, die nächste Gruppe zu begrüßen.

Auch diese Valentinsfahrtgäste waren am Salinenplatz mit einem Gläschen Sekt begrüßt worden, bevor es im zweistöckigen Reisebus in Richtung Museumsareal ging. „Eine tolle Idee“, schloss Ursula Lippert den Nachmittag ab, Valentinstag wurde dann noch in trauter Zweisamkeit mit Ehemann Manfred gefeiert.

TextQuelle: allgemeine-zeitung.de